(geschrieben am Sonntag, 02.11.2008)
Am Wochenende habe ich also die ersten Stunden mit dem Spiel zugebracht – Kurzfeedback:

Gekauft beim Mediamarkt für 44 Euro – eine DVD in einem einfachen Plastikcase mit gutem Handbuch. Es gab auch eine Collectors-Edition für, äh, ich glaube 69 Euro, die hat mich allerdings nicht so vom Hocker gehauen:
- das Spiel auf DVD
- eine Vault Boy Wackelkopf-Figur (für die Hutablage?)
- eine “Making Of”-CD
- ein kleines Hardcover-Buch mit Artworks
- verpackt ist alles in einer Alu-”Lunchbox”
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Test-System:
Macbook Pro 17”
2,5 GHz Intel Core 2 Duo
2 GB Ram
GeForce 8600M GT 512 MB
Bootcamp -> Windows XP
Gewählte Auflösung: 1280 x 960
Qualität: bei der Einstellung am Anfang erstmal auf “Hoch” gesetzt, später im Spiel selbst alle Regler (“Objekte einblenden” etc.) ganz hoch geschraubt.
Ergebnis: ab und an leichte Ruckler, aber noch sehr gut spielbar. Wem’s zu sehr zuckt, der kann ja noch ein Feintuning an den Reglern vornehmen.
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Nun erstmal etwas negatives – die Installation hat über eine Stunde gedauert. Ich weiß nicht, ob es am Macbook liegt – aber bei Oblivion (System wie bei Drakensang) musste man auch schon sehr viel Geduld mitbringen. Zudem wird ungefragt “Windows Live” installiert – ich glaube nicht, dass ich davon je Gebrauch machen werde. Etwas, was ich nicht aus eigener Erfahrung bestätigen kann, das ich aber immer wieder gelesen habe: das Spiel scheint nach der Installation das System auf Emulationssoftware zu checken und ggfs. den Start zu verweigern. Meine XP-Installation ist recht jungfräulich, daher gab es bei mir keine Probleme in der Richtung – ich weise nur lieber mal darauf hin, dass es zu Problemen kommen könnte.
Grafik
Ich gebe es zu, ich habe die Vorgänger nie wirklich gespielt (nur angespielt), ich kann also nicht sagen, ob es Bethesda gelungen ist, das “Fallout-Feeling” grafisch zu transportieren. Ich kann nur so viel sagen: als ich aus der Enge des Vaults in die gleißende Sonne trat und sich meine Augen allmählich an das Licht gewöhnt hatten, öffnete sich mein Mund für ein kurzes erstauntes “Oh!”. Der Blick schweift in die endlose Ferne – über Häusertrümmer, Hochstraßenruinen, Baumkrüppel, Zerstörung, Zerstörung, Zerstörung. Yeah! Das sieht nach Atomschlag aus, nach jahrhundertelangem Verfall, nach Ödnis und Verzweiflung.
Man wird von Sandböen umschwebt, durch Fenster fallendes Licht trifft auf Staubflocken, es gibt Tag- und Nachtwechsel. Wobei es an einem mangelt – es gibt kein “bunt”. Nachts ist alles grau, und tagsüber nicht großartig anders – alles verschmilzt in einem großen “beige-braun”. Alles wirkt ausgebleicht, vergilbt und von jeglichen Pigmenten gesäubert.
Man bewegt sich durch einen einzigen, großen Müllhaufen. 
Die NPCs sehen Oblivion-like gut aus. In Gesprächen bewegen sie ihre Lippen synchron zum gesprochenen Text.
Ein Schuß hinterlässt je nach Art der Munition mehr oder weniger sichtbare Spuren. Bewege ich einen Gegenstand, werden unter Umständen andere Gegenstände in Bewegung gesetzt – es sind also wieder Dominostein-Orgien möglich, allerdings sind Bücher hier eher spärlich gesät ;)
Kurz: ich finde die Grafik spitzenmäßig und passend zum Szenario :D
Sound
Die Musik ist atmosphärisch und verbreitet leichten Grusel. Die Soundeffekte sind gewohnt gut. Besonderheit: dank “Pip-Boy” kann man auch Radio hören :) Das beschränkt sich allerdings anfangs auf einen einzigen Sender, der scheinbar seit Jahrzehnten das gleiche Programm ausstrahlt – mal schauen, ob später noch was dazu kommt.
Im Großen und Ganzen ist die Synchronisation gelungen, es gibt aber auch Stellen, da klingt’s lächerlich. Zudem missfällt es mir, dass die Texte scheinbar gestückelt eingesprochen werden. Manche Betonungen sind einfach vollkommen daneben – hätte der Sprecher den Bezug zum vorherigen Satz gehabt, hätte er es sicherlich besser gemacht. Aber darüber kann man hinwegsehen, wie gesagt, grundsätzlich ist die Synchro ok. Fällt noch negativ auf, dass man in Dialogen manchmal von Personen gesiezt wird, die man allerdings schon seit Jahren kennt – wäre man grundsätzlich beim “Du” geblieben, hätte man solch eine Diskrepanz vermeiden können, und zudem wirken die Sätze oft so, als sei man ein männlicher Char, obwohl man eindeutig eine Frau ist ;) Das ist mir schon in einigen Spielen negativ aufgestoßen – warum bekommt man das nicht endlich mal in den Griff? Spiele ich eine Frau, will ich auch als solche angesprochen werden. Achja, und manche Sätze wirken irgendwie merkwürdig, als hätte man sie kontextlos übersetzt – aber, aber, aber: das geht noch in Ordnung ;)
Steuerung
Wie gewohnt: WASD beim Laufen, linke Maustaste Angriff, rechte Maustaste Anpeilen/Blocken, Mausrad zum Zoomen (was auch einen Wechsel von der Ego- zur Third-Person-Ansicht bewirkt), etc. pp. – wer Morrowind/Oblivion kennt, hat kaum Probleme. Mit y lassen sich auch hier wieder Gegenstände hochheben und durch die Gegend werfen.
Kampf: wenn man in der Ego-Perspektive mit gezückter Waffe durch die Gegend läuft, sieht es sehr nach Shooter aus. Aber es liegt glaube ich einfach nur an der Tatsache, dass man nun Schußwaffen in der Hand hält anstatt ein Schwert. Im Grunde ist es aber nicht anders als in Oblivion – statt mit Pfeil und Bogen schieße ich nun eben mit einem Luftgewehr. Und ein Kampf mit dem Baseballschläger hat schnell wieder das Feeling eines Schwertkampfes. Also nicht vom Shooter-Eindruck abschrecken lassen!
Nun zum V.A.T.S.: aus Gewohnheit habe ich bisher hauptsächlich auf herkömmliche Art gekämpft. Erst heute nachmittag habe ich mal das V.A.T.S. aktiviert und muss sagen, dass es schon eine coole Sache ist. Ganz durchschaut habe ich es noch nicht, aber im Grunde läuft es so ab – das Spiel hält an, der Gegner wird herangezoomt und man sieht dann seine Körperteile im Detail, einmal ihren Zustand (also ob der Gegner an der Stelle schon verwundet ist) und dann noch die Wahrscheinlichkeit, mit der man die Stelle trifft, in Prozent. Auf die Art kann man einen Gegner gezielt schwächen – nicht ausschalten, aber ihm für den weiteren Kampf einen ordentlichen Nachteil einbrocken. Wenn man es bspw schafft, ihm den Arm zu verkrüppeln, wird er im weiteren Kampfverlauf nicht mehr ordentlich zielen können, wenn er nicht sogar schon durch die Aktion ganz entwaffnet wurde. Wenn man das V.A.T.S. benutzt, kostet jede Aktion “Aktionspunkte” – je kleiner die Waffe, desto weniger AP pro Schuss. Die V.A.T.S.-Phase kann man entweder jederzeit selbst beenden, oder aber man verbaucht eben alle Aktionspunkte – wobei man während der V.A.T.S.-Phase auch zu anderen Gegnern wechseln kann, man muss sich also nicht auf ein Ziel versteifen, sondern kann versuchen, mehrere Gegner gleichzeitig zu schwächen :)
Nochmal kurz zusammengefasst: taucht ein Gegner auf, sollte man ggf. erst in den V.A.T.S-Modus wechseln (mit der Taste v), dort versuchen, ihn gezielt zu schwächen, und bei Erfolg oder restlos verbrauchten AP das V.A.T.S. wieder beenden und dann normal weiterkämpfen. Ist vor allem auch dann brauchbar, wenn man bei einem Gegner die Schwachstelle herausgefunden hat, die kann man dann im V.A.T.S. gezielt aufs Korn nehmen.
Herzstück: der “Pip-Boy 3000″ – mit ihm hat man das Spiel im Griff – mehr oder weniger ;) Er liefert im Grunde alle Infos, die man braucht, aber Bethesda lernt es einfach nicht, das Inventar übersichtlich zu gestalten. Ist man im Ödland unterwegs und sammelt eifrig alles ein, was nicht niet- und naglfest ist, präsentiert sich im Inventar bald eine ellenlange Liste. Zwar alphabetisch geordnet, dennoch äusserst unpraktisch zu handhaben. Aber ich bin zuversichtlich, dass eines Tages ein Mod diesen Missstand beheben wird ;) Ansonsten gibt einem der Pip-Boy Auskunft über den gegenwärtigen Gesundheitszustand (allgemein, einzelne Körperteile, radioaktive Verstrahlung), die Fertigkeiten, die Aufgaben, es gibt eine lokale und eine Weltkarte (wie in Oblivion mit Kompass und Markierungen, auch noch nicht besuchter Orte), über die man per einfachem Linksklick weiter entfernte Orte im Nu erreichen kann (sofern man diese schon einmal besucht hat), usw. usw. – die Screenshots geben einen vllt tieferen Einblick :)
Gameplay
Fallout 3 basiert auf einer aufgebohrten Oblivion-Engine – ab und an merkt man es dann auch ;) Nach Aufruf der Spieldatei erscheint erstmal ein Launcher, hier können erste Grafikeinstellungen vorgenommen werden und ich vermute mal, dass man später einmal dort auch die Plugins verwalten können wird – sofern das Construction Set denn mal veröffentlicht wird (Randbemerkung: mit dem CS können Spieler eigene Erweiterungen für das Spiel kreieren – wie schon bei Morrowind oder Oblivion).
Für die Charaktergenerierung hat sich Bethesda wieder was leckeres einfallen lassen – musste man sich in Oblivion für den weiteren Lebensweg entscheiden, während man sich durch dunkle Verliese kämpfte, so durchläuft man in Fallout 3 alle Stufen des Heranwachsens in kurzen Episoden und nimmt unterwegs immer wieder Einstellungen vor – sehr schön umgesetzt :D Beim Aussehen kann man entweder auf ein paar vorgefertigte Gesichter zurückgreifen oder man stellt jedes noch so kleine Detail selbst ein (Nase, Stirn, Mund etc. – wie in Oblivion ;)).
Man vergibt sich selbst ein paar Punkte auf die Attribute -
S(tärke)
P(erception/Wahrnehmung)
E(ndurance/Ausdauer)
C(harisma)
I(ntelligenz)
A(gility/Beweglichkeit)
L(uck/Glück)
und bekommt nach Abschluss einer Prüfung noch ein paar Punkte auf verschiedene Fähigkeiten – wobei man wählen kann, ob man die Entscheidung des Spiels akzeptiert oder ob man die Punkte noch einmal umverteilt.
Kurz vor Verlassen des Vaults kann man noch einmal alles, was man eingestellt hat, überarbeiten (wie bei Oblivion beim Verlassen der Kanalisation) – man kann sich im “Tutorial” also nichts versauen. Und es empfiehlt sich, kurz vor dem Ausgang einen dauerhaften Spielstand anzulegen – so erspart man sich bei einem evtl. Neustart den Durchlauf der Charaktergenerierung und kann sich gleich den Wunschcharakter zusammenklicken.
Bei einem Levelup verbessert sich die Gesundheit automatisch, man vergibt Punkte für seine Fertigkeiten und man kann besondere Extras auswählen – zum Bsp. “Schwarze Witwe”: männlichen Gegnern wird mehr Schaden zugefügt und bei männlichen Gesprächspartnern erscheinen u. U. besondere Gesprächsoptionen (
). Diese Extras können teilweise auch über mehrere Stufen ausgebaut werden.
Beim Betreten/Verlassen eines Gebiets/eines Gebäudes wird ein Autosave angelegt, ansonsten kann man jederzeit speichern – was man auch immer wieder tun sollte! – und neu laden. Stirbt man, wird automatisch der letzte Speicherstand geladen.
Man kann sich auf unterschiedliche Arten radioaktiv belasten (bspw. durch Betreten eines besonders belasteten Gebietes oder durch Verzehr von verstrahlter Nahrung) und das hat ab einer bestimmten Menge direkte negative Auswirkungen auf die “Gesundheit”, heisst: die Attribute erfahren einen Malus, je nach Stärke der Strahlenbelastung – es kann auch tödlich enden. Heilen kann man sich entweder selbst durch Einnahme von RadAway oder durch Konsultation eines Arztes, der natürlich Kronkorken (die Währung in Fallout 3) sehen will.
Im Spiel gibt es auch unterschieldiche Medikamente, die bei regelmäßigem Konsum auch zur Abhängigkeit führen können, was natürlich wieder negative Folgen hat ;) Entweder macht man dann einen kalten Entzug oder begibt sich wieder zu Onkel Doktor.
Hm, was noch … tja, es gibt wieder ein Schlösser-knacken-Minispiel, das ich aber noch nicht verstanden habe – irgendwie muss man eine Haarklammer und einen Schraubenzieher auf eine bestimmte, undurchsichtige Art drehen, damit das Schloss aufgeht. Bei mir war’s bisher eher ein Glücksspiel ;) Man kann auch versuchen, es aufzubrechen, geht das aber schief, kann man das Schloß fortan nur noch mit dem richtigen Schlüssel öffnen.
Dann stehen überall Computer herum, die auch gehackt werden können – das ist wiederum ganz gut zu verstehen und ist eine Art “Mastermind”-Spiel. Es wird ein Kuddelmuddel aus Zahlen und einzelnen Wörtern, die jeweils das Passwort sein könnten, angezeigt und man hat nun vier Versuche, das richtige PW herauszufinden. Hat man ein falsches erwischt, wird einem angezeigt, wieviele Buchstaben an der richtigen Stelle sitzen. Bsp. (aus dem Handbuch): 2/5 bedeutet, dass sich 2 der fünf Buchstaben an der richtigen Stelle des korrekten Kennworts befinden.
Gestohlen habe ich noch nichts, kann also nichts dazu sagen, wie empfindlich die Umgebung darauf reagiert und ob wieder Leute davon mitbekommen, die eigtl. meilenweit entfernt waren ;)
Tja, zusammenfassend kann ich sagen, dass mich das Spiel gepackt hat! Die Welt wirkt tatsächlich apokalyptisch, die Aufgaben sind abwechslungsreich und sehr gut präsentiert, man kann sich mit allem wieder Zeit lassen (also ruhig die HQ links liegen lassen und erstmal auf eigene Faust durchs Ödland streifen oder Nebenaufgaben lösen :)), die NPCs haben Charakter und beleben die ansonsten trostlose Welt, es gibt viel zu sehen und zu entdecken, über Langeweile konnte ich bis jetzt zumindest noch nicht klagen – es gibt einfach viel zu tun und man wird schnell Teil des Geschehens :D
bisherige Negativpunkte:
- die Synchro/schriftliche Übersetzung hätte besser sein können
- das Inventar ist wieder mal unübersichtlich geraten
- die KI ist nicht unbedingt die schlaueste (Gegner rennen gerne mal stundenlang gegen einen Schreibtisch, und sie suchen auch keine Deckung, sondern gehen stur auf einen los)
Aber alles in allem ist das ein ganz, ganz tolles Spiel geworden :D
P.S. Ich habe erst vorhin durch Ausprobieren herausgefunden, dass man doch die Konsole benutzen kann, auch wenn sie nicht sichtbar ist – zumindest konnte ich das HUD ausblenden, es wird also zukünftig wieder “ordentliche” Screenshots ohne störendes Interface geben ;) Die Konsole öffnet man wie aus MW und OB gewohnt mit ^ – zum Ausblenden des HUD dann “tm” (ohne Anführungszeichen) eingeben und Return drücken – zum Einblenden des HUD wieder tm eingeben.







Ein sehr geiler und umfassender Bericht. Vielen Dank dafür. Vielleicht kaufe ich mir das Spiel auch mal…oder warte, bis du es durch hast und kaufe es dir dann ab :P So oder so – klasse Game wie es scheint…