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Gedanken über das Ende

By on 31.10.2014

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Vor einigen Tagen bekamen wir die Nachricht, dass ein alter Bekannter meiner Frau mit Anfang 30 verstorben ist. Weder kannte ich diese Person persönlich, noch haben wir uns häufiger über diese Person unterhalten. Durch die Gespräche habe ich mir ein Bild dieses Menschen gemacht – wie dieser Mensch so sein könnte und so weiter. Wirklich nah war ich dem Menschen natürlich nicht. Aber ich habe nachgedacht. Über Dinge, die in meinem Leben waren und Dinge, die in meinem Leben sind. Der Haupt-Gedankenpunkt dreht sich um das Ende an sich. Ich bin jetzt 37 Jahre alt und lebe länger als der Mensch, der nicht die Chance hatte, sein Leben mehr zu leben. Und es kann schnell gehen, sehr schnell. Vielleicht geht man Abends schlafen und wacht morgens nicht mehr auf. Einen „schönen Tod“ nennen das viele Menschen. Traurig bleibt es natürlich dennoch. Aber die Kernfrage lautet doch: Wenn ich weiß, dass mich der Tod tatsächlich so schnell und plötzlich ereilen kann, sollte ich nicht versuchen, mehr aus meinem Leben zu machen?

Diese Aussage habe ich – wahrscheinlich ihr auch – schon ewig oft gehört: „Lebe so, als wäre es dein letzter Tag“. Ist natürlich im normalen Leben nicht so umzusetzen aber vielleicht ist es gar nicht so schlecht, sich dann und wann mal mit dem eigenen Leben und mit dem, was man daraus so macht, auseinander zu setzen. Bin ich aktuell glücklich im Leben? Mache ich das Richtige? Macht das, was ich mache, mich glücklich? Bin ich gelassen oder jährzornig? Ist ein bestimmtes Ereignis es wert, dass ich mich darüber beklage, mich sogar darüber aufrege?

In den vergangenen Monaten habe ich mich zwar weniger mit dem Tod an sich beschäftigt (vielmehr mit dem Leben), aber ich merke, dass eine Veränderung stattfindet, weil ich das Leben und mein Umfeld als solches intensiver wahrnehme, als das zum Beispiel noch vor einem Jahr der Fall war. Ich denke über Dinge nach, die vorher noch eher nebensächlich waren und freue mich über Ereignisse, über die ich mich früher vielleicht nicht so sehr gefreut hätte. Was diesen Wandel ausgelöst hat? Nein, nicht das Ende sondern der Anfang. Das Leben an sich ist etwas so wundervolles und seitdem wir uns entschlossen haben, unser Leben mit einem Wunder zu bereichern, hat sich alles verändert. Alles.

Ja, dann und wann verfalle ich in alte Muster zurück. Ist ja nichts schlechtes. Aber ich merke, dass das neue Leben mir besser gefällt als das Alte. Und damit geht auch einher, dass ich das Leben mehr genieße, Momente mehr genieße, meine Liebsten mehr genieße. Ich habe nicht begonnen, jeden einzelnen Tag zu einem perfekten Tag zu machen aber ich habe durchaus angefangen, jeden Tag zu einem Tag zu machen, der ein klein wenig besser ist, als er früher vielleicht noch gewesen wäre.

Man weiß nie, wann alles zu Ende ist. Vielleicht ist es heute, vielleicht ist es morgen, vielleicht aber auch erst in 30 Jahren. Es schadet nicht, sich dessen bewusst zu sein, einige Überlegungen anzustellen und daraus seine ganz persönlichen Konsequenzen zu ziehen. Mir hilft es, dass ich mir ab und an darüber meine Gedanken mache. Dem einen oder anderen vielleicht ja auch.

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7 Comments
  1. Peter

    31.10.2014

    Meine Güte … lohnt es noch, sich eine Langspielplatte zu kaufen? Ich bin aktuell jetzt 60 J. alt und habe vielleicht noch 20 gesunde Jahre vor mir … obwohl ich auf der Arbeit in einem Seniorenheim schon Menschen neben mir habe, die sind gerade mal 65 J. und bereits fix und fertig mit dem Leben (oft auch selbst daran schuld)

    In einem Alter von 37 Jahren habe ich noch kein Internet gekannt, brauchte kein Smartphone (brauche ich heute auch nicht) und habe das reale Leben so wie jeder andere auch erlebt. In diesem Alter ist man doch noch voller Elan … hat noch gut 75% der Lebenserwartung vor sich … und Du schreibst hier, als sei es schon bald zuende.

    Natürlich ist es Schicksal, wenn jemand nicht einmal 30 geworden ist … aber daraus jetzt für sich ein Thema machen? Das ist doch irgendwie an den Haaren herbeigezogen.

  2. Paul

    31.10.2014

    Leben bedeutet leben.
    Nicht so viel nachdenken und rumgrübeln, sondern viel mehr tun und machen. Leben bedeute weinen und lachen….
    Leben kann man nicht in Worte fassen oder auf FaceBook dokumentieren. Das Leben muss man erleben. Und genau das ist es auch wert!

    Nimm dir das Leben: http://www.youtube.com/watch?v=jvxqzBeUj-w

  3. Millus

    03.11.2014

    Mein Vater starb mit 28 Jahren und ich werde diesen Monat 38. Der Tod ist ein Teil des Lebens und ich musste mich früh damit auseinandersetzen. Viele Freunde sind auch in jungen Alter gestorben und ich trage immer eine Sehnsucht und Trauer in mir.
    Ich habe das Leben früh schätzen gelernt, die Erlebnisse mit dem Tod haben mein Egoismus sozusagen ausgetrieben. Der Gedanke „Lebe dein Leben als wäre es dein Letzter.“ spielte keine große Rolle für mich, ich hatte und habe nur noch Gedanken für die Menschen, die ich liebe. Alles was ich tue, ist um ihnen das Leben zu erleichtern, auch nach meinen Tod.
    Im Leben habe ich schon so viele schöne Dinge erlebt, das ich eigentlich sehr zufrieden bin und mich so einfacher auf die Bedürfnisse anderer konzentrieren kann.
    Die Jahre vergehen und geliebte Menschen, um mich herum werden älter. Meine Mutter, Freunde etc. so versuche ich so viel Zeit wie es geht mit ihnen zu verbringen. Entscheide mich eher für das Familienfest anstatt für die Messe. Ich gebe mein Bestes, um diesen geliebten Menschen das Leben zu erleichtern und ihnen eine schöne Zeit zu schenken.
    Am Ende meines Lebens möchte ich nicht auf ein Leben zurückblicken wo ich im Mittelpunkt stand, sondern die Menschen, die ich liebe.

    Und ja, Kinder verändern unser Leben und machen meistens aus uns bessere Menschen.
    Am Ende geht es nur um das Wohl der Kinder.

  4. Alper Iseri

    03.11.2014

    @Millus: Es ist tatsächlich so: Je älter ich werde, umso mehr konzentriere ich mich auf die Menschen, die mir wirklich wichtig sind. Das mache ich nicht bewusst sondern eher unterbewusst. Ich will meine Zeit bewusster genießen mit den Menschen, die um mich herum sind. Deine Worte Millus passen zu dem, was ich in meinem Inneren fühle. Insbesondere ein Satz, den du genannt hast, ist ein wichtiger Teil von mir: „Am Ende meines Lebens möchte ich nicht auf ein Leben zurückblicken wo ich im Mittelpunkt stand, sondern die Menschen, die ich liebe. “

    @Paul: Leben bedeutet weinen und lachen. Wie recht du hast. Dennoch ist es nicht einfach zu lachen, wenn du gerade weinst.

    @Peter: Ich schreibe die Dinge, die mir durch den Kopf gehen, die mir wichtig sind, die ein Teil von mir sind. Du musst sie nicht verstehen aber respektieren solltest du sie. Ich bin mir sicher, auch in deinem Inneren gibt es Dinge, über die du dir Gedanken machst. Ob du sie nach außen trägst oder nicht, ist deine Entscheidung. Aber es obliegt nicht mir, dir zu sagen, ob die Gedanken wichtig sind oder nicht. Das hast du selber zu entscheiden.

  5. Andre Fedorow

    03.11.2014

    Interessant, ich arbeite gerade an einem ähnlichen Artikel. Du hast mit allem Recht was Du sagst. Im Angesicht des Todes ändert man seine Einstellung, man verfällt zwar öfter mal in alte Verhaltensmuster, aber es verändert einen. Bewußter Leben …

  6. Alper Iseri

    03.11.2014

    Danke Andre

  7. Ben

    16.11.2014

    Hi Alper, sehr sinnvoller Artikel zu einem wichtigen Thema.
    Tatsache ist, man kann sich nicht aussuchen wann man stirbt und man weiss nicht wann man stirbt. Und so Sprüche wie „Lebe jeden Tag als wäre es dein letzter“ finde ich auch Quark und realitätsfremd, soll ich jetzt kündigen und das machen wodrauf ich Bock habe oder was? So läufts nun mal ( leider ) nicht. Viel wichtiger ist es denke ich, dass man nicht stirbt und seine Träume mit ins Grab nimmt. Vielmehr sollten wir viel früher daran arbeiten, sich die eigenen Träume zu erfüllen, damit man im Endeffekt glücklich sterben kann, weil man zumindest behaupten kann, dass man es versucht hat!

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ALPER ISERI
BREMEN

meetinx.de ist ein Blog von Alper Iseri. Ich bin Berater für Digitale Medien und lebe in der Hansestadt Bremen.

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