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Geschichten aus dem Leben: Die Tasche in der S-Bahn

By on 20.02.2009

Gestern Abend ging es nach dem Kinofilm „The International“ dann erst einmal nach Hause. Wir sind also zur S-Bahn und setzen uns zu einem dunkel gekleideten Mann mit einer großen dunklen Sporttasche auf dem Boden. Der Mann hat Ohrstöpsel in seinen Ohren und murmelt irgendwas vor sich hin. Wir machen uns eigentlich keine Gedanken darüber.

Kurz vor Einfahr in die nächste Haltestelle – ich glaube es war Reeperbahn – steht er auf, lässt seine Tasche liegen und geht in Richtung des hinteren Teils unseres Wagens. Melanie und ich schauen uns an und blicken auf die Tasche. Dann schaut sie dem Typen hinterher und sieht, dass er vor dem hinteren Ausgang steht. Währenddessen fährt die S-Bahn in die Haltestelle ein.

Während ich mir einfach nur denke, dass der Typ vielleicht aus Versehen seine Tasche vielleicht vergessen hat, meint Melanie in Schockstarre: „Also wenn der jetzt aussteigt, steige ich auch aus.“ Und in dem Moment denke ich mir nur „Ach du Scheiße“

Wie sich herausstellt, steigt der Typ dann doch nicht aus. Er kommt nach einigen Sekunden wieder, setzt sich zu seiner Tasche und murmelt weiter. Warum er in den hinteren Teil des Wagens gegangen ist, um offensichtlich nach dem Fahrplan zu sehen und nicht direkt bei uns, obwohl der Fahrplan hier nur 30cm entfernt war, weiß ich nicht. Aber es hat uns beiden jedenfalls einen gehörigen Schrecken eingejagt.

Wer jetzt darüber lacht, dass wir uns nicht so sehr von einem Film beeinflussen lassen sollten, war wohl noch nie in einer solchen Situation. Das hatte nichts mit dem Film zu tun sondern ist heute wohl einfach Realität. Früher dachte man: „Hey, der hat seinen Rucksack vergessen.“ Heute kommen einem neben diesem ersten Gedanken eben auch so andere Gedanken. Und das ist wirklich nicht sehr schön. Die Welt hat sich wahrlich verändert…

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7 Comments
  1. Amaretti

    20.02.2009

    oh alper.. das ist da oben aber normal… klar macht man sich gedanken wie du schon geschrieben hast

    wie oft saß ich inna s oder u bahn neben mir jemand mit tasche und dan isser ohne ausgestiegen…

  2. Patrick L.

    20.02.2009

    Oha, also ich kenne den Film noch nicht. Deswegen werde ich bestimmt nicht lachen, weil ihr euch von einem Film so beeinflussen lasst.

    Also ich hätte auch so einen Schrecken bekommen…aber ich war in einer ähnlichen Situation…
    ich war in der S-Bahn Richtung Heimweg und ein „Penner“ stieg auch mit ein und ging auf die Toilette, wo ich davor saß.
    Als er die Tür zu machen wollte, drehte er sich um und sagte „mir“, er geht in Bautzen (mein Ziel) sowieso in den Knast und zwar lebenslänglich. So sagte er es. Er bliebt an die 20 Minuten dort drin, nachdem er nach 15 Minuten nicht rauskam, entschied ich mich um die Ecke zu setzen…in der Hoffnung, einen gemilderten Schaden abzubekommen. Also ich hoffe, ihr könnt euch vorstellen warum.
    Aber war zum Glück nichts.

  3. Kay

    20.02.2009

    Die Situation kann ich absolut nachvollziehen.
    Wird wohl zeit, dass wir alle Menschen mit den passenden Brillen und Kontaktlinsen ausstatten, dass sie auch in 30cm Entfernung den Plan lesen können *g*

  4. André (PN Admin)

    20.02.2009

    Hmm,
    kann ich nicht nachvollziehen ;-)
    Auch wenn ich mit der Meinung nun allein dastehe.
    Ich sehe keine Terrorgefahr, bis heute kam es auch noch zu keinen Anschlägen von irgendwelchen „Bin Laden“ Anhängern in Deutschland – warum sollte ich also Angst haben oder mir in solchen Situationen Gedanken machen?

    Ich hätte ihm wahrscheinlich schnell hinterher gerufen, dass er seine Tasche vergessen hat ^^ So hab ich es zumindest die letzten Male in vergleichbaren Situationen in der Bahn gemacht.

  5. Nasenmuetze

    20.02.2009

    Stehst Du nicht da, Andre.

    Ich kenne zwar auch noch nicht den Film: The International.
    Meiner Meinung nach sind manche Frauen und Männer ein wenig „panischer“ als andere oder lassen sich von der täglichen Panikmache der Medien beeinflussen.

    Das wir hier fast alles aus den USA übernehmen sieht man auch an dem Beispiel wieder. In den USA wird ja auch dem Bürger ständig und überall Angst und Schrecken weiß gemacht.

    Wenn wir schon von einem Film auf das Leben führen. Es gibt da einen schönen Film von einen meiner Lieblingsregisseuren Michael Moore..

    Zum Thema Terror, kann ich nur soweit für mich spekulieren, dass ein möglicher Attentäter wohl kaum ein Attentat plant in einer U-Bahn in Hamburg oder einer andere Großstadt Abends. Es trifft halt nicht sehr viele Leute um die Uhrzeit. Da macht es doch im Berufsverkehr oder dort wo sehr viel mehr Menschen sind mehr Sinn.

  6. Daniel

    20.02.2009

    Ich find die Geschichte sehr authentisch und konnte sie spontan nachfühlen. Schon krass was einem nach 2001 so für Gedanken durch den Kopf schießen, die es früher nicht gab…

  7. Marian (WSK)

    20.02.2009

    Nun, ich kann es nachvollziehen.
    Deutschland als mögliches Ziel für Anschlägen zu sehen,
    ist keinesfalls übertrieben.
    In meiner „näheren“ Umgebung (Bochum),
    gab es allein zwei Versuche von Anschlägen.
    Ein Versuch am Kölner Hauptbahnhof, dieser wurde vereitelt.
    Und ein Weiterer am Dortmunder Hauptbahnhof.
    Hier verhinderte nur ein Defekt am Zünder, dass die Bombe nicht explodierte.
    Der Attentäter in Spe befand sich im Regionalexpress 1,
    mit diesem Zug fahre ich beinahe jedes Wochenende nach Dortmund.
    Direkt am Hauptbahnhof steht das CineStar-Kino, dort arbeiten viele Bekannte und GUTE Freunde.
    Der Weg in die Innenstadt führt durch den Bahnhof.
    Als ich von dem missglückten Anschlag erfuhr,
    bekam ich nicht urplötzlich Angst vor Terror.
    Doch dieser Versuch fühlte sich sehr nah und anders an.

    Es hat sich tatsächlich etwas geändert, in Deutschland.
    Vor vielen Jahren, in den 90ern, wurde die Bochumer Bus und Bahngesellschaft per Bombendrohung erpresst.
    Die (saloppe) Durchsage des Busfahrers, man solle doch mal unter seinem Sitz nachschauen oder darauf achten, ob man etwas ticken hört, die „Bogestra“ wird zur Zeit erpresst,
    sorgte für Heiterkeit.
    Das würde sie heute vielleicht nicht mehr.

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ALPER ISERI
BREMEN

meetinx.de ist ein Blog von Alper Iseri. Ich bin Berater für Digitale Medien und lebe in der Hansestadt Bremen.

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- Louis L'Amour
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