Der Sohn des Terroristen
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„Ich bin nicht mein Vater“ – Der Sohn des Terroristen: Die Geschichte einer Entscheidung

By on 02.10.2015

Vor wenigen Minuten habe ich ein Buch zu Ende gelesen und möchte euch darüber erzählen. Es handelt von einem Kind mit dem Namen Zak Ebrahim. Zak wächst auf als Kind einer muslimischen Familie. Sein Vater ist Ägypter, seine Mutter ist Amerikanerin, die zum Islam konvertiert ist. Zak erzählt uns in seinem Buch über seine Kindheit und über das, was ihm, seiner Familie und insbesondere seinem Vater widerfahren ist. Wir erfahren viel über Umstände, die verändern, wie er und viele andere Menschen denken. Wir erfahren einiges über Schicksal und viel über Wut und Hass. Wir lernen einiges über den Islam und darüber, wie es in seiner Familie zugegangen ist. Und wir werden Zeuge von dem, was Zak Ebrahim in seinem Leben alles passiert ist. Denn dieses Buch ist keine Fantasie. „Der Sohn des Terroristen“ erzählt seine Geschichte.

Der Sohn des Terroristen

Der Sohn des Terroristen

Die langsame Wandlung von Liebe zu Hass

Sein Vater ist kein Monster, zumindest war er das nicht am Anfang. Viele Dinge haben dazu geführt, dass er sich von dem liebenswerten, netten Vater, von dem Zak zu Anfang in seinem Buch immer wieder erzählt, zu einem fanatischen, hasserfüllten Menschen verwandelt hat. Mir sind viele Dinge, die über die islamischen Traditionen in diesem Buch erzählt wurden, seltsamerweise vertraut, obgleich ich selber ja nicht muslimisch erzogen worden bin. Gleichwohl ist die türkische Kultur nicht weit entfernt von der arabischen und einiges von dem, was in dem Buch erzählt wurde, kenne ich aus meiner eigenen Kindheit.

Wie es sein muss zu erfahren, dass der Vater für den Tod von vielen Menschen verantwortlich ist, muss furchtbar sein. Gerade in einem Alter, wo man das Ganze noch nicht fassen, nicht begreifen kann. Schlimmer muss es jedoch sein, mit diesem Wissen aufzuwachsen. Immer wieder umziehen zu müssen, weil alleine der Nachname jedem bekannt ist und man quasi gezwungen wird, immer wieder neue Orte zu suchen, weil man an den alten Orten nicht mehr bleiben kann.

Führt die Ablehnung von Menschen, denen man begegnet, weil man der Sohn eines Terroristen ist, nicht auch zu einer gewissen Enttäuschung, zu einer Wut oder sogar zu Hass? Wie muss es sein, wenn man dauernd von Mitschülern geschlagen wird und selbst den Behörden es egal zu sein scheint, ob man die Nase gebrochen bekommen hat? Könnten wir nicht alle verstehen, wenn auch Zak wütend, gar hasserfüllt gewesen worden wäre? Nicht gegen Menschen sondern irgendwie gegen alles?

Zak Ebrahim TED Vortrag

Zak Ebrahim TED Votrag

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Mir ist das Buch sehr nahe gegangen. Ich habe in meinem Leben schon sehr viele Bücher gelesen aber zumeist waren diese Bücher Fiktionen von Menschen über Zukunft oder Vergangenheit, Thriller oder Komödien. Doch „Der Sohn des Terroristen“ ist echt. So echt wie das Leben von jedem Einzelnen von uns. Und doch so grausam und gleichzeitig hoffnungsvoll. Wie ein Mensch mit dem Namen Zak Ebrahim am Ende eben nicht dem Hass verfallen ist, wie er der Religion den Rücken gekehrt hat, und wie er solche wundersamen Sätze von sich gibt wie:

Für die Opfer des Terrorismus spreche ich mich gegen diese sinnlosen Taten aus und verurteile die Handlungen meines Vaters. Mit dieser schlichten Tatsache bin ich der lebende Beweis dafür, dass Gewalt nicht in einer Religion oder Volksgruppe innewohnt und dass der Sohn nicht in die Fußstapfen seines Vaters treten muss.

Ich bin nicht mein Vater.

Das Buch hat mich nachhaltig beeindruckt, eben weil auch in dem Buch Fotos von Zak und seinem Vater gezeigt werden. Zak Ebrahim sprach 2014 auf einer TED-Konferenz. Sein 9-minütiger Vortrag bildet die Grundlage für das Buch: Das Video könnt ihr euch hier anschauen.

„Der Sohn des Terroristen kaufen:
Das eBook kostet 6,99 Euro und ist beim FISCHER Verlag zu kaufen.

Noch ein kleiner Hinweis am Schluss:
Ich habe durch Hallimash die Gelegenheit bekommen, dieses Buch zu lesen. Und ich wurde für diesen Beitrag entlohnt. Ich habe mich dazu entschlossen, den gesamten Betrag zu spenden.

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3 Comments
  1. Paul

    03.10.2015

    Religion war schon immer eine Glaubensfrage, innere Gesinnung und Einstellung. Auch die Weltsicht wird durch Religiösetexte verändert. Ich verabscheue jegliche Form von Bevormundung. Ich habe für so etwas kein Verständnis.

    In meinen Augen müsste die Muslimische Community vehement gegen solche Extremisten vorgehen.

    Ich habe viele Menschen wegen Krankheit und Schicksal beim sterben begleitet. Dabei sind die Gedanken sehr wichtig. Diese Gedanken kann man zum Guten oder zum Schlechten beeinflussen. Ich fand Zarathustra ganz in Ordnung.

  2. Alper Iseri

    03.10.2015

    Gut geschrieben Paul. Hast du dir das Ted-Video schon angesehen?

  3. Paul

    05.10.2015

    Ja, ich hab mir gerade das Video angeschaut.
    Seine Geschichte und seine Erlebnisse sind sehr bewegend.

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ALPER ISERI
BREMEN

meetinx.de ist ein Blog von Alper Iseri. Ich bin Berater für Digitale Medien und lebe in der Hansestadt Bremen.

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