
Vor einigen Tagen hat es in der Blogosphäre doch ziemlich gekracht, als Trigami von diversen Browsern und ihren “Safe Search”-Filtern auf einmal als potenziell gefährlich eingestuft wurde. Auf zahlreichen Blogs, Facebook und Twitter wurde dieses Ereignis teilweise sehr kontrovers diskutiert. Viele sahen gleich Trigami als Schuldigen, andere haben sich darüber beschwert, dass sich am Wochenende niemand von Trigami zu diesem Vorfall geäußert hat. Auch ich war Teil dieser Diskussion und habe mit meinem eigenen Beitrag informiert. Nachdem am vergangenen Montag klar war, dass Trigami Opfer eines Hacker-Angriffs wurde, hat mein dazugehöriger Beitrag über das Versagen der deutschen Blogosphäre sehr hohe Wellen geschlagen und eine massive Diskussion in meinem Blog hervorgerufen.
Grund genug, Co-Founder Remo Uherek zu diesen Geschehnissen zu befragen und seine Ansicht der Dinge zu hören. Remo und ich haben uns vor einiger Zeit auf einer Fachmesse der Internet World kennengelernt, weil wir beide auf einer Podiumsdiskussion zum Thema “Krisenmanagement im Social Web” teilgenommen haben. Remo war so freundlich und hat sich den Fragen offen gestellt.
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Alper Iseri: Hallo Remo, in den vergangenen Tagen ist rund um Trigami ein ziemlicher Wirbel entstanden. Viele Blogger haben mit Unmut auf die Fehlermeldungen reagiert und sich gefragt, warum eigentlich keine Reaktion von Trigami am Wochenende erfolgt ist. Was ist im Einzelnen passiert?
Remo Uherek, Trigami: Am Samstag, den 31.7.2010 wurde unser AdServer Opfer einer böswilligen Attacke, indem ein kleines Sicherheitsleck ausgenutzt wurde, um Schadcode über einige unserer Banner (vorwiegend Affiliate-Banner von Trigami) auszuliefern. Gemäss Angaben unserer Techniker verwies der Schadcode auf eine niederländische Website, die sich in schnellem Tempo neu geladen hatte – ob der Angriff auch tatsächlich aus den Niederlanden kam ist uns nicht bekannt. Dies hatte dann zur Folge, dass unser AdServer bei Google auf die schwarze Liste kam. Da unser AdServer unter einer Subdomain von trigami.com eingerichtet ist, wurde die gesamte Domain trigami.com von Google und einigen Browsern als schadhaft eingestuft. Da unser Statistikskript für Text-Reviews und Advertorials auch unter einer Subdomain von trigami.com eingerichtet ist, wurden auch einige Blogs, die Trigami-Einträge, und damit das Statistik-Skript, veröffentlicht haben, in Mitleidenschaft gezogen und als schadhaft eingestuft.
Wir sind zwar ein Internetunternehmen, arbeiten aber wie andere Werbeagenturen ganz traditionell zu Bürozeiten von Montag bis Freitag. Eine systematische Wochenend- oder Nacht-Überwachung gab es bisher nicht. Dies war sicherlich auch das Hautpproblem, denn just an diesem Wochenende waren zahlreiche Mitarbeiter (wie auch die beiden Geschäftsführer) im verdienten Offline-Urlaub. D.h. wir haben tatsächlich erst Montag Morgen von dem Problem erfahren und haben dann auch sehr schnell gehandelt und die Sache bereinigt. Das Problem war natürlich für viele Blogger und auch für uns sehr ärgerlich, und wir planen als Folge dessen eine systematische Wochenend-Überwachung einzuführen, um solche Extremfälle in Zukunft schneller bearbeiten zu können. Man muss aber ganz klar betonen, dass solche Probleme bisher sehr seltene Einzelfälle waren. Wir sind seit fast 4 Jahren im Geschäft und dies war das erste grössere Sicherheitsproblem, welches wir hatten.
Alper Iseri: Euer Unternehmen ist laut Eigendarstellung eine führende Agentur für Social Media Marketing und gehört zu den Vorreitern in Europa. Gehört deiner Ansicht nach bei einer solchen Aussage auch eine 24/7-Überwachung der sozialen Medien seitens Trigami für euch dazu? Gibt es Feiertage oder Wochenenden für euch?
Remo Uherek, Trigami: Ein gewisses Monitoring erachten wir sicherlich als sinnvoll. Der Umfang hängt stark von der Branche und dem Geschäftsmodell ab. Ein Webhosting-Unternehmen sollte natürlich ein 24/7-Monitoring der Server eingerichtet haben. Ein 24/7 Monitoring der sozialen Medien erachten wir bei den meisten Unternehmen und auch bei Trigami als unverhältnismässig. Die überwiegende Anzahl der Probleme und Anliegen kann bis zum nächsten Werktag warten. Unternehmen sollten sich von sozialen Medien nicht versklaven lassen. Das Leben besteht schliesslich nicht nur aus Internet und sozialen Medien. Unsere Mitarbeiter haben ganz traditionelle Arbeitsverträge mit klar geregelten Ruhezeiten, Feiertagen und Urlauben. Dies wird vom Arbeitsrecht ja auch so vorgeschrieben.Dennoch nehmen wir solche Probleme sehr ernst und werden alles dafür tun, dass dies nicht wieder passiert. Dazu wird sicherlich gehören, dass wir an Wochenenden zumindest eine verantwortliche Person haben, die zumindest einmal pro Tag sicherstellt, dass es keine gröberen Probleme gibt. Wie jedes andere Unternehmen machen auch wir Fehler und lernen daraus.
Alper Iseri: Vor einigen Monaten auf der Internet World hast du in einem Interview gesagt, dass ein Unternehmen bei einer Krise offen und ehrlich reagieren soll. Insbesondere beim Fall der Süddeutschen Zeitung hast auch du Fehler zugegeben. Was ist deiner Ansicht nach dieses Mal falsch gelaufen?
Remo Uherek, Trigami: Es sind sicherlich einige Dinge schief gelaufen, die zu einer Verkettung unglücklicher Umstände geführt haben. Neben der bereits erwähnten fehlenden systematischen Wochenend-Überwachung hätten wir dem AdServer und dem Statistikskript jeweils eigene Domains, und keine Subdomains zuweisen sollen. Damit hätte die Kettenreaktion aufgehalten werden können und die Blogger wären nicht in Mitleidenschaft gezogen worden. Diese Kettenreaktion war für die Blogger natürlich besonders ärgerlich und dies tut uns auch sehr Leid!
Alper Iseri: Viele Blogs haben sich direkt sehr geärgert ohne die Hintergründe zu kennen und haben Trigami als Schuldigen ausgemacht. Ärgern dich manche Aussagen so im Nachhinein persönlich? Oder ist es ganz normaler Berufsalltag für dich?
Remo Uherek, Trigami: Natürlich ist es ärgerlich, wenn Dinge schief gehen. Auf der anderen Seite gehören Schwierigkeiten, Fehler und Herausforderungen zum Leben jedes Menschen und jedes Unternehmens einfach mit dazu. Damit muss man rechnen und vor allem daraus lernen.
Vielen Dank für das Gespräch.
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Zunächst einmal finde ich es klasse, dass sich Trigami der Kritik stellt und meine doch sehr direkt gestellten Fragen offen und ehrlich beantwortet, ohne Floskeln oder Ausreden zu benutzen. Krisenmanagement im Social Web bedeutet eben auch, aus Fehlern zu lernen und mitzuteilen, wenn etwas nicht optimal gelaufen ist. Hinter jedem Unternehmen stehen Menschen und gerade bei einem solch jungen Unternehmen kann es eben auch mal passieren, dass bestimmte Dinge passieren, die sich so niemand gewünscht hat. Trigami geht offen mit der Kritik um und zeigt klar auf, wie sie solchen Fällen künftig entgegenwirken möchten. Für mich gibt es keinerlei Anlass zur Kritik. Aber das habe ich auch schon in meinem ursprünglichen Artikel zu dieser Thematik sehr deutlich gemacht.
Mich interessiert natürlich sehr, wie ihr diese Geschichte nach einigen Tagen beurteilt. Außerdem würde mich besonders interessieren, wie Blogger-Kolleginnen und -Kollegen mit dieser Geschichte umgehen und ob sie aus den Geschehnissen und ihren vielleicht auch verfrühten Angriffen und Äußerungen auch was gelernt haben. Ich freue mich auf eure Kommentare.







Sowas kann leider jedem Unternehmen passieren und ist in der Vergangenheit auch schon oft passiert. Ob das nun in einem Profildiebstahl wie bei studiVZ oder einem bösartigen Code wie bei Trigami gipfelt – die Aufregung ist immer groß. Und für mich ist auch klar, dass jedes Unternehmen auch mal Wochenende hat. Ich finde und fand auch schon in der Vergangenheit die Art und Weise von Trigami gut, wie sie sich solchen Problemen in der Öffentlichkeit gestellt haben. Das es immer wieder Kritiker gibt, die sich damit nicht zufrieden geben, ist fast schon normal. Ich finde es gut, dass Du nochmal den Kontakt zu Remo gesucht hast, Alper, und seine Angaben sind für mich auch nachvollziehbar. Klar ist es blöd, im Nachhinein zu erkennen, dass man auf IT-Seite einiges hätte besser machen können, aber das werden sie ja nun sicher nachholen.
VG Jan
[...] Update, Do 5.8.2010 16:15 Uhr Remo Uherek bezieht bei meetinx.de Stellung [...]
Die Großangriffe fand ich teilweise ein wenig überzogen. Zumal sie auch von Leuten kamen, bei denen man das Gefühl hatte, sie wollen jetzt die Gunst der Stunde nutzen und mal kräftig nachtreten.
Und auch von jenen die nie einen Artikel im Auftrag von Trigami verfasst haben. Letztere hätten eigentlich einfach schweigen sollen.
Denn wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die …. ;-)
Ich habe z.B. von Moritz (Trigami Mitarbeiter) Montag recht zeitig ein Statement bekommen.
Sicher war ich auch sauer. Nicht wegen des Ausfalls, sondern wegen dem zu erwartenden Aufwand der Einzelartikelbearbeitung. Es war Samstag, ich habe auch Wochenende. Daher habe ich einfach alles auf “Entwurf” geschaltet.
Die Kommunikation mit Trigami war m.E. gut und fair. Wie man auch bei mir nachlesen kann.
http://momworx.de/google-blockt-momworx-mit-besten-dank-an-trigami
Das reichte mir erst einmal. Alles andere war meines Erachtens höhere Gewalt und man war in Teilen auch von Googles Willen abhängig.
Daher waren einige Kritiken und Statements etwas stark überzogen.
Wie ich auch hier schrieb:
Trigami darf nur nicht so schnell in eine neue Falle tappen. Dann wird es kritisch. SZ und jetzt der Ausfall. Das nagt schon an der Reputation.
Ich bin dennoch weiterhin ein Trigami Fan und ich bleibe dabei, weil es nicht anderes in der Art gibt, was nur annähernd an den Service und die Art und Weise des Umgangs miteinander ran kommt.
Nebenbei sind sie auch noch gut in den Dingen die sie tun.
Ich bin seit 2007 dabei und habe mittlerweile im Schnitt zwischen 80 -100 € pro Artikel. Mein persönlicher Rekord lag bei 165 € für einen Artikel. Das reicht mir!
Wer da meckern will, kann das gerne tun. Ich hingegen freue mich, interessante Dinge kennen zu lernen, tolle Produkte zu testen ( z.B. LED Lenser, Rackpack Plus) und nebenbei noch den einen oder anderen netten Obolus für meine Rezensionen zu bekommen.
Natürlich wird man von Trigami nicht reich. Und natürlich ist Trigami der Gewinner. Aber darum geht es mir nicht.
Ich bekomme mein Geld durch andere Dinge, wie z.B. Direktvermarktung und diverse andere Websachen.
Wenn man das erkennt, dann kann man gut leben.
P.S. wenn ich mal so frech in eigener Sache werben darf. Suche noch einen potenten Sponsor für meinen neuen iPad.
Sorry, Alper :-)
mfg.
Marcus
http://momworx.de
Hallo Alper,
ich finde es gut das Du quasi den “Gegenpol” zu vielen anderen gibst. Ebenso ist es schön zu sehen das sich Trigami stellt und eine nachvollziehbare Aussage macht. Und nein, ich erwarte nicht das man dort rund um die Uhr arbeitet.
Ich kann aber auch die verärgerten Blogger verstehen. Schließlich ist es ein schon ein erheblicher Nachteil der durch diese Panne entstanden ist und somit nur normal das einige da mit wenig Verständnis reagieren.
Was mich wundert ist das man bei Trigami die eigene Domain so nutzt/genutzt hat, aber ok – aus Fehlern lernt man.
Insgesamt ein ärgerlicher Vorfall der sich möglichst nicht wiederholen sollte…
Ich finde es immer wichtig, immer beide Seiten einer Geschichte zu hören. Und die gibt es eigentlich fast immer. In diesem Fall war es eben eine Gefahrenmeldung seitens Google/Firefox und mich hat interessiert, was im Hintergrund bei Trigami eigentlich vorgefallen ist. Blinde Schuldzuweisungen gibt es leider viel zu oft und das nicht nur bei Bloggern sondern gerade im Berufsleben.
Ich finde es wichtig, sich immer darüber Gedanken zu machen, wie man selber in einer bestimmten Situation reagieren würde. Es ist immer einfach zu sagen: Ich hätte es besser gemacht. Viel zu einfach…
Schön das nun alles geklärt ist und das Leben weiter geht. Auch ich fand die überzogenen Reaktionen am Sonntag total unangebracht.
PS: Was wurde den auf der niederländischen Zielseite angeboten?
[...] diesem Thema hat Apler Iseri von Meetinx.de ein Interview mit Trigami Co-Founder Remo Uherek [...]
Jetzt mal ganz ehrlich! Wir Deutschen haben schon ein wenig was an der Klatsche, oder? Wir regen uns mitlerweile über Sachen auf… OMG! Es gibt schlimmeres auf der Welt!
Klasse Interview Alper! Mach so weiter!
Trigami Respekt! Ehrlichkeit währt am längsten!
Grüsse vom Bodensee
Paul
[...] hat Alper Iseri von Meetinx.de ein Interview mit Trigami Co-Founder Remo Uherek [...]