Über die Tanja bin ich wieder einmal auf ein interessantes Thema aufmerksam geworden: Krankenversicherung. Jeder von euch hat damit etwas zu tun, denn jeder von euch ist versichert – ob nun gewollt oder ungewollt. Seit einiger Zeit ist die Krankenversicherung Pflicht und es gibt keinen Weg, sich langfristig davor zu drücken. Und das hat auch seine berechtigten Gründe: Niemand weiß, wann ihm was passiert und wenn es eben mal nicht gerade ein Schnupfen ist sondern etwas Schlimmeres wie Krebs oder eine andere Krankheit, dann sollte und muss dieser Mensch behandelt werden. Und das möglichst nicht aus der allgemeinen Zahlerklasse sondern durch seine Mitgliedschaft in einer Krankenkasse und somit der Gemeinschaft.
Ob nun private Krankenkasse oder gesetzliche Krankenkasse – beide Arten haben ihre Vor- und ihre Nachteile. Gerade als Selbstständiger habe ich mir sehr lange überlegt, ob ich in die private Krankenkasse wechseln sollte. Ich bin jung und sehr gesund – von daher muss ich bei den Privaten viel weniger Geld bezahlen als bei den Gesetzlichen. Der Beitrag bei vergleichbarer Leistung ist viel günstiger – eben weil ich jung bin. Als gesetzlich versicherter Selbstständiger kostet dich das pro Monat rund 300 Euro. Und die musst du dann auch noch komplett aus eigener Tasche bezahlen. Da macht es natürlich einen Unterschied, ob du nur 100 Euro oder 300 Euro zahlen musst.
Wie das in der Privatwirtschaft jedoch so ist, gelten die günstigen Beiträge nur für die Leute, die statistisch gesehen eben auch sehr selten krank werden: Junge Menschen. Je älter man wird, umso teurer wird die Versicherung dann auch – sie orientiert sich nicht wie bei den gesetzlichen Kassen an eurem Gehalt sondern steigt unabhängig davon. Ihr müsst euch das so vorstellen: 100 junge Leute wechseln mit 25 Jahren in die private Kasse. Alles kommt in einen Topf. Da die jungen Menschen sehr selten krank werden, fallen verhältnissmäßig wenig Kosten an. Also kommt jeder mit einem günstigen Betrag von sagen wir mal 100 Euro im Monat aus. Sehr schön denken sich die jungen Leute und bleiben auch weiter in der privaten Kasse. Nun heiraten die 100 Personen und bekommen Kinder. Die Ehefrau bleibt zuhause. Was nun? Ganz klar – in der privaten Kasse ist nichts mit Familienversicherung. Jede Person muss seinen eigenen Beitrag zahlen. Jedes Kind und natürlich die Frau. Also bezahlen die Leute mit z.B. 30 Jahren schon insgesamt 300 Euro. Aber es geht noch weiter. Irgendwann werden die Leute älter. Wenn sie 60 geworden sind, gibt es schon des Öfteren größere Krankheiten oder weitere medizinische Probleme wie die Hüfte, Übergewicht oder andere Dinge. Da die 100 Leute weiterhin als Gruppe behandelt werden, werden die Kosten allen Leuten in der Gruppe belastet. Und so Operationen sind ja nicht gerade günstig. Also steigen die Beiträge enorm im hohen Alter. Schlimmer noch: Irgendwann geht es ja in die Rente und man hat sowieso nicht mehr so viel Geld. Aber das interessiert die private Krankenversicherung nicht – die Preise steigen weiter. Bei der gesetzlichen Krankenversicherung orientiert sich der Preis jedoch immer nach dem Geld, was ihr verdient. Wenn ihr später in der Rente weniger Geld verdient, dann müsst ihr auch weniger an die Krankenversicherung zahlen. Außerdem sind alle Familienmitglieder die nicht arbeiten und/oder in der Ausbildung sind, automatisch kostenlos mitversichert.
Jetzt hat natürlich auch die gesetzliche Krankenversicherung einige Nachteile: Die Medizin ist nicht immer auf dem neuesten Stand, man bekommt nicht sofort einen Termin beim Arzt, im Krankenhaus kommt man ins Mehrbettzimmer und nicht notwendige Dinge werden auch nicht bezahlt. Es ist also eine Art Grundversorgung ohne weiteren Schnickschnack. Privat versicherte Menschen haben durchaus einige Annehmlichkeiten, die es lohnenswert machen kann, etwas mehr auszugeben.
So oder so muss jeder für sich selber entscheiden, was er machen möchte. Ich gehöre zu den Menschen, die lieber auf Nummer sicher gehen und bin daher in der gesetzlichen Krankenversicherung geblieben. Ich will später auf jeden Fall Kinder haben und konnte mich bislang noch bei jedem Arzt und/oder Krankenhaus mit meinen Wünschen durchsetzen. Notfalls schließe ich für bestimmte Punkte eine private Zusatzversicherung ab.
Wichtig: Wer sich einmal für die private Krankenversicherung entscheidet, kommt da nicht mehr so ohne weiteres raus.







Hi Alper – du weißt ja, dass ich auch ein paar Jährchen in einer Krankenkasse gearbeitet habe.
Pauschalurteile liegen mir eigentlich nicht so, aber man kann über den Daumen sagen, dass kleinere Unternehmer es schwer haben in der privaten Krankenversicherung, wenn sie im Leben noch Kinder und eine Frau einplanen :)
So würde ich Menschen empfehlen, die sich selbständig machen und keine hohen Wachstumsraten erwarten nicht in die private KV zu gehen.
Warum? Also wenn ich einen Bügelladen oder einen Maurerdienst etc. eröffne, dann sind die Chancen dass ich das Unternehmen bis an mein Lebensende führe “nicht schlecht”. Jedoch sind (im Durchschnitt) keine hohen Wachstumsraten zu erwarten. So werde ich womöglich 1-2 Angestellte haben, aber vielleicht bin ich auch alleine.
Das heißt, mein Gehalt ist an meine Arbeitskraft gebunden. Arbeite ich weniger, verdiene ich weniger.
Jetzt kommt der Unterschied: Wenn ich in der Gesetzlichen weniger Verdiene bezahle ich weniger. Wenn ich in der Privaten (älter bin) und weniger verdiene, dann bezahl ich mehr. Ein Wechsel in die Gesetzliche ist ab einem gewissen Alter nichtmehr möglich bzw. auch vorher nicht so einfach.
So ist es keine Seltenheit, dass ein 65 jähriger 800€ alleine für die Krankenversicherung bezahlt (unabhängig vom Einkommen).
Ich weiß noch, als die älteren Leute vor mir in der Krankenkasse gesessen waren und geheult haben, weil sie ihr Haus etc. verkaufen müssen, nur um die Krankenversicherung zu bezahlen. Erst wenn nichtsmehr da ist springt der Staat ein und bezahlt die Krankenversicherung.
Deshalb würde ich mir den Wechsel genau überlegen und mich nicht schnell von 1-2 € und einem “guten” Bekannten, welcher auf einmal auch Krankenversicherung verkauft, überzeugen lassen. Ich würde mir das ganze realistisch durchrechnen. Altersarmut ist nichts schönes.
@Steffen: Super – vielen Dank für deine zusätzlichen Hinweise. Hilft dem Einen oder Anderen hier sicher weiter. *thumbs up*
“So oder so muss jeder für sich selber entscheiden[...]” so er denn selbständig ist oder angestellt mit einem Bruttoverdienst von mindestens 48.600 EUR :(
@Steffen: Ich bin genau Deiner Meinung
Super Artikel. Danke.
Das Thema ist nicht nur interessant, sondern vor allem auch sehr aktuell. Vor dem Wechsel zur PKV muss man auf viele kleine Dinge achten und sollte sich gründlich informieren, bevor man etwas unterschreibt.
Ich denke, dass es pauschal keine Antwort dafür gibt und es jeder für sich selbst abwägen muss.
Jemand, der in naher Zukunft Kinder plant sollte die Finger von der privaten lassen, da diese extra versichert werden müssen.
Und leute mit i-welchen Erkrankungen, die fortlaufend zum Arzt und mit Medikamenten versorgt werden müssen, die werden entweder nicht genommen oder müssen hohe Beiträge zahlen.
Alles in allem denke ich, dass wenn du Kern gesund bist, erstmal keine Kinder planst und gut verdienst eine pkv das richtige für dich ist.
Gesetzlich oder Privat? Jeder muss für sich selbst entscheiden.
Sollte man über der Versicherungspflichtgrenze für die PKV verdienen, so lohnt sich eine PKV in den meisten Fällen immer. Man erhält durch einen Wechsel in die PKV mehr Leistungen zum selben- bzw. etwas höheren Beitrag. Ein PKV Vergleich kann sich zum Prüfen der PKV Testsieger sehr lohnen.
Beste Grüße ;)