Vor einiger Zeit ist die große Kampagne zum neuen Toilettenpapier von Tempo im deutschen Fernsehen gestartet. SCA Hygiene Products in Mannheim hat sowohl im Internet als auch im Fernsehen viel investiert, um das neue Produkt Tempo Toilettenpapier bekannt zu machen und für hoffentlich große Umsätze zu sorgen. Ich habe euch ja bereits erzählt, das ich nicht gerade begeistert darüber bin, dass das Produkt Tempo nun so verwässert wird. Aber seien wir mal ehrlich. Mit dem Produkt Nivea hat es auch mal irgendwann angefangen. Und heute ist es normal, dass wir unter dem Namen Nivea nicht nur Hautcreme finden sondern auch andere kosmetische Produkte wie Duschgel, Shampoo oder Lippenstift.
Bildquelle: Tempo Homepage
Dennoch frage ich mich, warum man ausgerechnet mit Toilettenpapier anfangen musste. Hätten es nicht Kosmetiktücher sein können? Oder irgendein anderes Produkt wie z.B. Küchenpapier? Aber das ist natürlich meine eigene Meinung. Letztendlich entscheidet der Konsument darüber, ob das Produkt zu einem großen Erfolg werden wird oder nicht. Ich persönlich werde mir ab jetzt aber überlegen, ob ich tatsächlich nach einem “Tempo” fragen werde, wenn ich mir die Nase putzen muss. Ganz sicher bekomme ich dann erst einmal ein Stück Toilettenpapier ins Gesicht geworfen :-))
Gegen die Kampagne selber kann ich nichts sagen. Umgesetzt wurde der Online-Auftritt von der Creativ Orientierte Münchner Agentur (Coma). Die TV-Werbung wurde von Publicis in Frankfurt realisiert. Viel Spaß beim Anschauen.








KNÜLLER oder FALTER?!
http://www.zeit.de/2005/51/T-Klopapier
… DANKE!
Es spricht doch aus unternehmerischer Sicht nichts dagegen, sein Produktportfolio auszuweiten. Tempo gehörte bis vor zwei Jahren zu Procter & Gamble und unter schwedischer Hand wurde vermutlich aus Kostengründen beschlossen, die Maschinen voll auszulasten und nicht Küchenpapier, Taschentücher und Toilettenpapier in verschiedenen Varianten unter den Markennamen auf den Markt zu geben. Die Produktionsmenge wird erhöht, die Werkzeugkosten verringert und immerhin ist Tempo schon seit viele Jahrzehnten eine gelernte Marke mit positivem Image. Nach dem Verkauf von Zewa, Charmin und Tempo war das nur eine Frage der Zeit, bis das Sortiment markenübergreifend ausgeweitet wird. Eigentlich war auch klar, dass der “Neuzugang” aus den USA – Charmin – in Europa dann nicht mehr zu halten sein wird.
Also aus meiner Sicht vollkommen nachvollziehbar und der einzige logische Schritt. Tempo-Taschentücher waren und bleiben die Cashcow im Produktportfolio und damit die stärkste der drei bzw. zwei Marken. Toilettenpapier ist zwar pro m² für den Verbraucher günstiger, bringt aber dennoch durch die Masse einen höheren Umsatz. Wir alle verbrauchen eben einfach größere Mengen an Klopapier als Haushaltstücher.
Werbetechnisch gesehen wird die Marke Tempo mit ihrem CD erweitert und auch das klappt sehr gut. Das sieht sofort nach Tempo aus und trifft beim Consumer auf einen positiven Response. Immer diese Angizismen.
@Alper: Ich wollte gar nicht so viel schreiben, aber wer sich mit Marketing auskennt, wird bei diesem Beispiel wunderbar die vier Säulen des Marketing wiederfinden. Dann nutze ich meinen Schreibschwall und möchte darauf hinweisen, dass Marketing überhaupt nicht mit Werbung gleichzusetzen ist. Werbung ist nur ein geringer Teil des Marketing (Market = Markt, -ing = das Agieren auf dem Markt) und ergänzt lediglich die produkt-, preis- und distributionspolitischen Aktionen eines Unternehmen.
@Dirk: Natürlich ist Werbung nur ein Teil des Marketing. Allerdings stellt sich mir die Frage, ob die Überlegungen vorher bzw. die Umfragen wirklich so positiv ausgesehen haben. Ein Produkt auf den Markt zu bringen, welches einfach im Volksmund “Hast du mal ein Tempo” so gefestigt ist, halte ich persönlich für ziemlich riskant. Da ist die Werbung für dieses Produkt erst einmal zweitrangig. Natürlich gibt es betriebswirtschaftliche Aspekte die das Unternehmen zum handeln veranlasst haben aber ich persönlich finde das irgendwie schade. Die Marke Tempo wird für mich dadurch verwässert und ist nicht mehr das, was es eigentlich einmal war. Um mehr geht es eigentlich gar nicht.